Grußwort

Prof. Dr. Joachim Knape, 1. Vorsitzender

Prof. Dr. Joachim Knape, 1. Vorsitzender

Liebe Freunde der Rhetorik,

ich begrüße Sie in einer mehr als 2500 Jahre alten Interessengemeinschaft, deren Mitglieder zu allen Zeiten den sozialen Rang der Rhetorik hoch geschätzt haben. Gestatten Sie mir als Rhetorikwissenschaftler einige Bemerkungen zu den Umrissen und Anliegen einer bewussten Beschäftigung mit Rhetorik.

Die meisten Menschen kennen den Begriff Rhetorik, doch die wenigsten wissen, was Rhetorik ist. Das bei uns gebräuchliche Wort „Rhetorik“ ist vieldeutig. Es kann eine bestimmte kommunikative Praxis bezeichnen, aber auch die darauf bezogene Theorie sowie die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit dem Fachgebiet Rhetorik beschäftigt. Die allgemein verbreiteten Unklarheiten beginnen damit, dass die einen rhetorische Praxis für erstrebenswertes Schönreden oder wünschenswerte kommunikative Cleverness halten, die anderen aber für eine hinterlistige Kunst, die nur auf egoistische, trickreiche Manipulation der Menschen aus ist. Auf der einen Seite steht die Rhetorik als eine positive Möglichkeit, sich sozial zu entfalten, auf der anderen aber nur als eine sozial gefährliche Technik. Jenseits all dieser unterschiedlichen Einschätzungen besteht aber Konsens darüber, dass das Thema Rhetorik in der modernen Kommunikationsgesellschaft neue, erstrangige Bedeutung gewinnt.

Der Verein zur Förderung der Rhetorik will sich mit all diesen Aspekten beschäftigen, um den alten und zugleich hoch aktuellen Wissens- und Praxisbereich Rhetorik auch außerhalb der rein akademischen Sphäre als Interessensgegenstand lebendig zu halten. Damit ist gemeint, dass die Freunde der Rhetorik nicht nur einfach Rhetorik praktizieren, wie es jederzeit allerorten geschieht, sondern die Rhetorik als eigenständiges Problem bedenken, erörtern und pflegen wollen. Darum haben Rhetoriktraining und Rhetorikunterricht in allen Varianten ihren angestammten Platz im Rhetorikverein. Aus dem genannten Anliegen resultiert aber auch die ideelle Anbindung des Rhetorikvereins an das in Tübingen existierende einzige europäische Universitätsinstitut zur Erforschung der Rhetorik in Geschichte und Gegenwart.

Wir alle sind überzeugt, dass es wichtig ist und dass es sich lohnt, engagiert für die weitere Verbreitung von Kenntnissen der Rhetorik und für eine immer weiter reichende Kenntnisnahme der Rhetorik einzutreten. Die moderne Kommunikationsgesellschaft ist eigentlich innerlich bereit, die Rhetorik wieder als ihre theoretische Grundlage zu entdecken und sich wieder bewusst mit ihr auseinander zu setzen. Es müssen sich nur Menschen finden, die dies vermitteln und dabei engagiert vorgehen. Lassen Sie uns dies gemeinsam tun.

Es grüßt Sie

Joachim Knape